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NZZ, 16.1.09
16. Januar 2009, Neue Zürcher Zeitung Maturanote und Motivation als ErfolgsfaktorenAnalyse der Prüfungsabschlüsse nach einem Jahr ETH-StudiumGute Maturanoten, Motivation und ein rascher Studienbeginn sind wichtiger für ein erfolgreiches ETH-Studium als die Wahl der Schwerpunktfächer am Gymnasium. Dies zeigt eine Erhebung bei ETHZ-Studierenden. Einfluss auf den Studienerfolg hat auch die Herkunftsschule – nicht wegen der Schulqualität, sondern wegen abweichender Profile. hag. Nachdem die wichtige Schnittstelle zwischen Maturitätsabschluss und Hochschuleintritt von der Bildungsforschung jahrzehntelang vernachlässigt worden war, fand das Thema diese Woche in geballter Form öffentlichen Niederschlag. Am Dienstag wurde in Zürich eine von 130 Dozierenden der Mittelschule, Universität und ETHZ erarbeitete Analyse zur Leistungsfähigkeit des Gymnasiums mit Blick auf die Studierfähigkeit der Maturanden vorgestellt. Dabei wurden Defizite bei der Vorbereitung in Mathematik und Naturwissenschaften geortet – und diese der Verkürzung der Mittelschuldauer angelastet. Am Donnerstag nun doppelte die ETH Zürich mit der nationalen Optik nach und lieferte erstmals repräsentatives Datenmaterial aus der Befragung von über 5200 ETH-Studierenden, die von 2004 bis 2007 eine Schweizer Maturität erlangt und die Basisprüfung (vormals Vordiplom) nach einem Jahr Studium absolviert hatten. Die Befragung erfolgte im Rahmen des Projekts «Academic and Career Advisory Programme», mit dem die ETH ihre Anstrengungen für eine bessere Betreuung und Beratung der Studierenden in frühem Stadium verstärken will. Wer die Basisprüfung bestehe, beende erfahrungsgemäss das Master-Studium erfolgreich, betonte ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach vor der Presse. Offenkundig stellen also die Studienergebnisse einen verlässlichen Kontext zwischen Maturanoten, gymnasialer Ausbildung und Studienerfolg her. Sie bestätigten zudem die Ergebnisse der letzten Herbst abgeschlossenen Evaluation der Maturitätsreform. Je jünger, desto erfolgreicherDarin wurde der Ausbildungsstand der Maturanden in den untersuchten Fächern Erstsprache, Mathematik und Biologie bezüglich Hochschulreife als zufriedenstellend beurteilt, es zeigten sich aber auch grosse Unterschiede zwischen Schülern und Klassen. Als zentrales Resultat der ETH-Studie wird nun ein Zusammenhang zwischen dem Abschneiden bei der Matur und jenem bei der Basisprüfung nachgewiesen: Je höher der Schnitt im Maturzeugnis, desto besser die Leistung bei der Basisprüfung. Konkret bestanden über 80 Prozent der Befragten die Prüfung, die im Maturzeugnis einen Schnitt über Note 5 auswiesen. Weiter hat sich gezeigt, dass die jüngsten Studierenden, jene zwischen 18 und 20 Jahren, die erfolgreichsten Basisprüfungen ablegten, während ab 21 Jahren die Prüfungsnoten im Schnitt signifikant tiefer lagen. Laut der ETH-Rektorin ist dies ein Indiz dafür, dass sich der anspruchsvolle Schulbetrieb und die hohen Prüfungsanforderungen aufgrund der gewohnten Schuldisziplin leichter meistern lassen, wenn zwischen Matur und Studienbeginn nicht zu viel Zeit verstreicht. Eine Geschlechterdifferenz beim Prüfungserfolg liess sich statistisch übrigens nicht belegen – was nicht widerlegt, dass der Frauenanteil vorab in technisch-naturwissenschaftlichen ETH-Studiengängen signifikant zu tief liegt. Insgesamt ist nur ein Drittel der ETH-Studierenden weiblich. Lateiner und Mathematiker brillantProvokant mit Blick auf die laufende Reform der vor zehn Jahren neu strukturierten Maturitätsausbildung ist sicherlich das Studienergebnis, das den Fokus auf den individuell gewählten Ausbildungsschwerpunkt am Gymnasium legt. Dieser spiele bezüglich Studienerfolg keine zentrale Rolle, wichtiger seien Motivation und Arbeitsdisziplin, kommentierte Heidi Wunderli-Allenspach das doch überraschende Faktum (vgl. Grafik). So standen Studierende mit Abschluss in alten Sprachen zusammen mit solchen, die Mathematik und Naturwissenschaft als Schwerpunkt gewählt hatten, zuoberst auf dem Podest. Deutlicher abgefallen war nur der Maturtyp Wirtschaft/Recht. Nachgerade «Hitparaden-Stimmung» à la Pisa-Studie verbreitete bei der Präsentation eine Grafik, welche die Prüfungsresultate in Zusammenhang mit jenen 60 Kantonsschulen brachte, die mindestens 30 ETH-Studierende «geliefert» hatten. Rektorin Wunderli-Allenspach beeilte sich denn auch, davor zu warnen, die Liste als ein Ranking schweizerischer Gymnasien zu lesen. Daran tat sie gut, denn die Unterschiede zwischen den gewählten Gymnasien sind gross. Neben der Maturitätsquote spielen auch Ausbildungsdauer und fachliche Schwerpunktsetzung eine zentrale Rolle. Welches Gymnasium ist «ETH-affiner»?Diese Vielfalt der Profile ist bildungspolitisch auch gewollt, nicht alle der 150 Gymnasien der Schweiz sollen mit dem Fernziel eines ETH-Studiums ausbilden. Aus dem Kanton Zürich stammen zudem die meisten ETH-Studienanfänger (27 Prozent), entsprechend grösser ist hier die Bandbreite bei den Prüfungsergebnissen als in den kleineren Kantonen. Trotz den Vorbehalten konnte die Rektorin nicht verhindern, dass Ranking-Stimmung im Saal aufkam: Am besten schnitt die Winterthurer Kantonsschule Rychenberg ab vor dem Gymnasium Liestal und der Kantonsschule Hohe Promenade in Zürich. Am Ende der Liste standen das Gymnasium Immensee, die Kantonsschule Bellinzona und die Zürcher Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene. Immerhin kann die Auflistung den Schulen wohl wertvolle Hinweise zur Schärfung ihrer Profile geben – und den Eltern vielleicht einen Hinweis darauf, welches Gymnasium besonders ETH-affin ausbildet.
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