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Tagi, 17.1.09


Nicht auf die Gymnasien-Rangliste schielen

Sollen Eltern das Ranking der ETH zu Hilfe nehmen, bevor sie ihr Kind an ein Gymnasium anmelden? Nein, sagen Experten und ein Nobelpreisträger.

Die ETH nahm die Gymnasien unter die Lupe und fand heraus: «Die Erfolgschancen an der ETH sind abhängig von der Schule, in der Studierende ihre Matur gemacht haben.» Dazu präsentierte sie gleich eine Rangliste.

Die Hochschule platzt damit zu einem heiklen Zeitpunkt in die Mittelschullandschaft. Denn bis zum 15. März müssen Familien entscheiden, ob und auf welches Gymnasium ihre Sprösslinge gehen sollen. Und bereits sind Schulen, die auf der ETH-Liste schlecht dastehen, mit Anfragen besorgter Eltern konfrontiert, die nur das Beste für ihr Kind wollen.

Katja Bluntschli von der kantonalen Berufs- und Studienberatung hat nichts dagegen, Mittelschulen miteinander zu vergleichen. «Etwas Konkurrenz schadet sicher nicht.» Sie rät aber davon ab, bei der Schulwahl auf solche Ranglisten abzustellen. «Eltern sind teilweise überambitioniert, wenn es um die Karrieren ihrer Kinder geht. Doch sie sollten sich davor hüten, zu früh die Weichen für eine spätere Spezialisierung zu stellen.» Wer das Gymnasium anfange, sei noch ein Kind, das vor einer grossen Entwicklung stehe. In diesem Alter sei es das Wichtigste, dass sich die Schülerinnen und Schüler wohlfühlten.

Wie weit ist der Schulweg? Kann sich mein Kind an dieser Schule richtig entfalten? Und hat es dort Freunde oder Geschwister? Das seien die wesentlichen Fragen, die sich Eltern vor der Wahl des Gymnasiums stellen müssten, sagt auch Johannes Eichrodt vom Mittelschul- und Berufsbildungsamt. «Schliesslich ist es noch völlig offen, was ein Kind später einmal studiert.» Die Eltern könnten bereits seit 2001 frei wählen, in welches Gymnasium sie ihre Kinder schicken. Und selten lägen sie falsch. «Umteilungen müssen wir fast nur aus Kapazitätsgründen vornehmen, und nicht, weil sich die Schule als schlecht erweist.» Der Wettbewerb unter den Mittelschulen sei deshalb längst lanciert – «auch ohne Rankings».

Der Nobelpreisträger warnt

Der Winterthurer Richard Ernst (75) wusste schon als 12-Jähriger, was er einmal werden will: Chemiker. Er hat es bis zum ETH-Professor und Nobelpreisträger gebracht. «Meine Eltern haben stets auf eine akademische Laufbahn gedrängt. Ein Druck, an dem ich fast zerbrochen wäre.» Als Vater habe er darum umso mehr darauf geachtet, seinen drei Kindern genug Freiräume zu geben und nicht ihren Weg zu früh vorzuspuren. «Um für ein Kind die richtige Ausbildung zu finden, braucht es vor allem eins: Einfühlungsvermögen. Schulvergleiche helfen einem dabei nicht weiter.»

Erstellt: 17.01.2009, 06:51 Uhr

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Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/kanton/story/26329333