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23. Januar 2009, 06:54, NZZ Online

Zweifel an Schulranking

EDK-Präsidentin Chassot zur ETH-Studie über Schweizer Gymnasien

Das in einer ETH-Studie gezeigte Ranking der Gymnasien hat zu scharfer Kritik in Bildungskreisen geführt, da es auf statistisch falschen Grundlagen beruhe. Auch die Präsidentin der Konferenz kantonaler Erziehungsdirektoren (EDK), Isabelle Chassot, kritisiert nun die ETH-Rangliste und hält Schul-Rankings generell für nicht sinnvoll. Sie warnt zudem mit Blick auf die Reform der Maturitätsausbildung vor zu vielen Fächern.

hag. Vor Wochenfrist hatte die ETH Zürich eine Auftragsstudie vorgestellt, die einen Kontext zwischen der Maturitätsausbildung und dem Studienerfolg an der ETH belegte. Zentrale Erfolgsfaktoren waren gute Maturanoten, ein früher Studienbeginn und Motivation. Für die grösste Aufregung aber sorgte in Bildungskreisen eine Liste jener 60 (von landesweit 150) Mittelschulen, die mindestens 30 Studierende an die ETH «geliefert» hatten. Denn diese waren auf einer Notenskala zwischen 3,6 und 4,5 verteilt, womit sich eine Art schmales Ranking der Schulen ergab, auch wenn die ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach eindringlich davor warnte, diese Liste, die erst noch mit erheblichen methodischen und statistischen Mängeln behaftet ist, als Rangliste zu lesen. Anzeige

Imageschaden befürchtet

Allerdings fragt sich dann nur, warum sie die Folie dem Publikum überhaupt vorführte. Spätestens seit «Pisa» müsste sich doch herumgesprochen haben, wie hoch der Hunger der Öffentlichkeit nach – selbst methodisch falsch angelegten – Ratings ist und wie schnell damit Schaden angerichtet wird. Nicht überraschend beklagten denn auch Leiter von Gymnasien, die in dieser von einzelnen Medien veröffentlichten Liste weit hinten aufgeführt waren, einen rufschädigenden Imageschaden durch das ETH-Ranking.

Fragwürdiger Ansatz

Einen solchen Ansatz, wie ihn die ETH in diesem Rating der Gymnasien zugelassen hat, findet auch Isabelle Chassot, Präsidentin der Konferenz kantonaler Erziehungsdirektoren (EDK) fragwürdig, da er auf ungenügenden Grundlagen beruhe. Damit lasse sich keine Bewertung für die Qualität der Gymnasien in der Schweiz vornehmen, sagte sie der NZZ. Gefragt, ob dann nicht die Kantone selbst ein landesweites Ranking der Gymnasien mit Blick auf deren Ausbildungsleistung für die Hochschulen einleiten sollten, warnte Frau Chassot: «Ich erachte Schul-Rankings weder als sinnvoll noch als notwendig für die politische Steuerung des Systems».

Sie ist zudem überzeugt, dass die Hochschulreife mit einem Maturzeugnis an den Gymnasien der Schweiz grundsätzlich garantiert ist. Allerdings hebt Isabelle Chassot im Zusammenhang mit der erfolgten Evaluation des Maturitätsreglements (EVAMAR) durch Bund und Kantone auch hervor: «Es gab grosse Leistungsunterschiede sowohl zwischen den Maturandinnen und Maturanden wie auch zwischen einzelnen Klassen; ich frage mich ob wir uns solche Unterschiede leisten können.»

Warnung vor Fehlinterpretationen

Auch Hans Peter Dreyer, Präsident des Vereins Schweizer Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer (VSG) sieht in den jüngsten Studien bestätigt, dass trotz lokaler Schwankungen die Maturanoten ein gutes Mass für die Studierfähigkeit der Absolventen sind. Er begrüsst deshalb solche Studien im Sinne einer erhöhten Transparenz und erachtet die Erfolgsquoten an den ersten Prüfungen an Hochschulen als guten Gradmesser für die Qualität der Gymnasien. Aber auch der VSG befürchtet laut Dreyer, dass die ETH-Rangliste, wie damals die Pisa-Studie, nun zu bildungspolitischen Fehlinterpretationen führt.

Was den Einfluss des gewählten Studienschwerpunkts betrifft, betont Dreyer mit Bezug auf VSG-interne Erhebungen, dass nicht alle Matur-Schwerpunkte gleich gut auf die ETH-Studienrichtungen vorbereiteten. So sei etwa der Schwerpunkt Biologie und Chemie für die ETH merklich weniger günstig als der Schwerpunkt Physik und angewandte Mathematik. Daraus folgert Dreyer, dass künftig in manchen Schulen der Mathematikanteil weiter erhöht werden müsse. Zudem glaubt er, dass die Erstsprachen-Kenntnisse und die Fähigkeit zum selbständigen Lernen stärker zu fördern seien.

Das Interview mit Isabelle Chassot erscheint am Freitag in der Druckausgabe der NZZ


Diesen Artikel finden Sie auf NZZ Online unter:
http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/kein_zulaessiger_qualitaetsvergleich_von_schweizer_gymnasien_1.1757132.html

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